Interview Blickpunkt Film "Neue ProSiebenSat.1- Holding Red Arrow"
   
   
Warum wurde die Holdinggesellschaft Red Arrow gegründet?

Jan Frouman: ProSiebenSat.1 war schon zuvor in den Bereichen Produktion und Weltvertrieb aktiv, jetzt haben wir uns strategisch aufgestellt. Mit der Übernahme von SBS sind wir eine Sendergruppe mit über 20 Kanälen in zwölf Ländern. Wir produzieren und kaufen viel Programm. Mit der Gründung einer Holding bündeln wir alle Aktivitäten in diesen Bereichen und sind so in der Lage, unsere strategischen Ziele besser zu erreichen.

Welche Auswirkungen hat das auf die Unternehmen, die künftig unter Red Arrow zusammengefasst werden?

Jens Richter: SevenOne International, Producers at Work und Redseven Entertainment behalten ihre Identität. D. h. die Strukturen und Aufgabenbereiche der einzelnen Firmen bleiben erhalten und die Unternehmen werden weiterhin unter ihrem Namen unabhängig am Markt agieren.

Welche Vorteile hat die neue Struktur?

Frouman: ProSiebenSat.1 wird internationaler. Wir wollen künftig in den Ländern, in denen wir mit Fernsehsendern aktiv sind, mehr Inhalte selbst produzieren und weltweit vermarkten. Skandinavien ist dafür ein gutes Beispiel: Die Fernsehmärkte dort zeichnen sich durch eine enorme Kreativität aus.

Richter: Seit dem Kauf von SBS arbeiten wir im Weltvertrieb eng mit Skandinavien und Benelux zusammen, das heißt, wir vermarkten einzelne Formate aus diesen Gebieten weltweit. Im übrigen Europa aber auch in den USA hat Programm aus Skandinavien und Benelux eine sehr hohe Akzeptanz.

Gilt das auch für deutsches Programm? TV-Movies etwa zeichnen sich durch eine sehr deutsche Handschrift aus.

Richter: Gerade deutsche TV-Movies sind innerhalb Europas ein etabliertes Produkt. Formate wie „Schillerstraße“ oder „Clever“ sind Exporthits. Unser Ziel ist, mit den unter Red Arrow gebündelten Produktionsfirmen und den TV- Sendern neue Formate zu entwickeln und neue Programmmarken zu bilden, die weltweit vermarktet werden können.

Was ist das Interessante am Formatgeschäft?

Richter: Diese Form der Programmentwicklung ist am Markt sehr akzeptiert. Mit der Entscheidung für ein bewährtes Format minimiert der Kunde Risiko und Entwicklungskosten. Ein Sender kann so ein neues Programm innerhalb weniger Wochen umsetzen. Dabei lassen sich einzelne Formate zu starken Multimediamarken ausbauen, indem um die Programmidee zum Beispiel verlängerte Verwertungen in Online, Publishing oder im Gamesbereich geschaffen werden.

Welche Formattrends sehen Sie?

Michael Schmidt: Der Trend geht sicher noch mehr in Richtung Reality.

Welche Folgen hat die Internationalisierung der Programmentwicklung für den kreativen Prozess?

Schmidt: Jedes Produktionsunternehmen hat eigene Stärken und Qualitäten. Durch Partnerschaften können Entwicklungsprozesse auf eine völlig neue Ebene geholt werden. Ein Beispiel dafür ist der Entwicklungsvertrag, den wir im vergangenen Jahr mit The Gurin Company aus den USA vereinbart haben. Internationalisierung heißt für uns nicht, zentral aus München den lokalen Produzenten vorzuschreiben, welche Formate sie für uns zu produzieren haben. Wir kommen aus einem nationalen Broadcasting-Geschäft und wissen, dass jeder Markt anders ist und dass das lokale Team am besten weiß, wie sein Heimatmarkt funktioniert. Aber Fernsehen wird immer internationaler und darauf müssen wir reagieren. Dies tun wir, indem wir auch strategisch, das heißt unabhängig von Einzelinteressen eines Marktes oder eines Senders in Formatentwicklung investieren. Unsere exklusive Zusammenarbeit mit Dick de Rijk, dem Erfinder von „Deal or No Deal“, einem der international erfolgreichsten Formate, ist das beste Beispiel dafür.

Wird ProSiebenSat.1 künftig weniger Aufträge an unabhängige Produzenten vergeben?

Schmidt: Unser Ziel ist nicht, alles oder große Teile unseres Programmbedarfs über Red Arrow Tochterfirmen zu decken. Aber natürlich werden wir künftig mehr als vorher hausintern produzieren, weil wir das Geschäft bisher kaum betrieben haben. Am Ende entscheiden und verantworten die Sender, was on Air geht.

Frouman: Und natürlich arbeiten wir weiter mit unseren Produktionspartnern wie Constantin, Brainpool oder UFA zusammen.

Sind Zukäufe im Produktionsbereich geplant?

Frouman: Ja, innerhalb der kommenden sechs Monate. Wenn wir eine Firma kaufen oder neu gründen, dann in einem Land, in dem wir bereits mit einem Sender vertreten sind, jedoch nicht in Deutschland. Bei einem Zukauf ist uns wichtig, dass die Firma bereits Geschäftsbeziehungen zu anderen Marktteilnehmern in dem jeweiligen Land unterhält.

Fremantle, Brainpool oder Zodiak sind die Schwergewichte im internationalen Produktions- und Vertriebsgeschäft. Wo sehen Sie noch Marktlücken für Red Arrow?

Schmidt: Im TV-Geschäft finden gute Ideen ihre eigene Marktlücke. Sender kaufen eine Produktion in erster Linie, weil sie an die Idee und die Personen dahinter glauben, nicht etwa weil ihnen der Name der Produktionsfirma gefällt. Wir glauben, dass wir genau so unseren Platz im Markt finden – mit guten Ideen und hervorragenden Produzenten.


Richter: Daneben verändert sich der Markt kontinuierlich, zum Beispiel durch die zunehmende Digitalisierung und die zahlreichen neuen Sender, die dabei entstehen. Diese Entwicklung ist zum Beispiel in Frankreich, Spanien und Osteuropa zu beobachten. Anfangs sendeten diese Sender Wiederholungen von US-Serien oder deutsche TV-Movies. Jetzt wollen diese Sender mit frischen Produktionen Marktanteile gewinnen. Dazu müssen sie in Programm, etwa Unterhaltungsformate, investieren.

Wo wollen Sie mir Red Arrow in einem Jahr stehen?

Frouman: Mit guten Ideen und einer strategischen Expansion wird sich Red Arrow im internationalen TV-Markt positioniert haben. Wir rechnen damit, unser Portfolio schon während der ersten Jahreshälfte 2010 um neue Produktionsfirmen zu erweitern. Die ersten Neuzugänge werden innerhalb der Länder liegen, in denen unser Konzern bereits aktiv ist, aber außerhalb Deutschlands. Darüber hinaus werden wir die Format-Ideen unserer Kreativpartner international pitchen.

 
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